paddeln!
July 1st, 2008vor 2 wochen war die fachschaft politik und verwaltung der uni potsdam auf der mecklenburgischen seenplatte unterwegs. also nicht die komplette fachschaft, sondern 13 leute - manche auch nicht von der uni potsdam. los ging’s in fürstenberg/havel und dann an unzähligen bäumen vorbei, unter unzähligen brücken durch und über unzählige schleusen bis nach rheinsberg. letztes jahr ist die tour wegen teilnehmermangel ausgefallen, umso froher war ich, daß sie in diesem jahr stattfand. wir haben eine schwanfamilie gesehen, an einem klassentreffen des 74er neuruppiner abijahrganges teilgenommen (danke für alles) das in eine schöne tanzparty ausgeartet ist und natürlich sind wir auch kilometerweit gepaddelt!
die tour endete, wie geschrieben, in rheinsberg (da isn schloss!), wo wir dem hafenmeister pro boot, daß wir da aus dem wasser holen wollten, einen euro geben sollten - kanuten, macht einen großen bogen um rheinsberg! vor dem schloss machte ein nettes ehepaar noch mit jedem unserer fotoapperate jeweils zwei fotos, deshalb kann ich jetzt hier noch eins von min. 200 fast identischen gruppenfotos zeigen!
ich war so begeistert von der tour, dass ich dachte “scheiß auf die fusion, ick fahr wieder paddeln”. seit der tour vor 2 jahren besitze ich ein ‘kolibri IV’ und jetzt war es endlich an der zeit, mal ne längere tour zu machen. roman war mit! hier der bericht:
fr, 16 :00
roman ruft an: “wat isn nu mit paddeln?” - “na komm rum, dann fahren wir mitm zug nach fürstenberg!” - “ach wollen wa nich lieber mitm auto fahren?” ok, also rein in die karre und erstmal ab zu roman nach biesenthal. tank leer, nur noch n 10er im geldbeutel. bei aral kostets 1,51, da fahr ich mal ganz schnell vorbei! auf der autobahn blinkt die reserveanzeige, reichweite 23km, stark fallend. na gut, an der autobahn kann es ja auch nur 2ct mehr kosten. bei agip kostet dann der liter super 1,57!! zähneknirschend bezahle ich und ess erstmal ne wiener! gott sei dank hab ich genug tütensuppen bei, daß der rest der tour nicht zu teuer wird, roman wird ja auch noch knete haben.
fr, 17:30
ankunft biesenthal. roman ist in seiner hütte, meine erste frage: “hast du noch kohle?” - “ne!” - “scheiße” glücklicherweise kann uns romans bruder mit nem hunni aushelfen, die aussichten sind also nicht völlig trostlos. ab auf die straße, erst zu plus: kartoffeln, speck, zwiebeln, eier, 11 berliner, 2 kleine flaschen wurzelpeter, kergardenbutter (die, die selbst im kühlschrank flüssig ist!) und wasser. ne halbe stunde später nochmal n stop bei netto (kucken, ob die ne angel im angebot haben - ham se nich). schon beim losfahren der erste streit: “ey homer, mach die technoscheiße aus! ne! ne! dit is keene musik” komisch, dabei läuft marek bois, extra mitgebracht. also gitarrenmusik. roman ist milde. wir teilen uns das erste bier.
fr, 20:00
wir finden eine schöne stelle fürs auto und zum wässern. die bootsteile liegen ausgebreitet vor uns, chaos. erstmal ein bier und es fällt das erste mal der spruch, der noch des öfteren vor scheinbar unlösbaren problemen fallen wird: “rochn wa ersma eene!” boot aufgebaut und ins wasser gelassen, das gepäck passt super rein und wir beide auch noch. perfekt! 20m gepaddelt, in 10 sekündigen abständen sagt einer von uns: “ist das geil!” oder “jut, daß wir die tour machen!” bier auf! langsam wirds dunkel. wir fahren an einer stelle vorbei, wo den geräuschen nach zu urteilen mädels zelten. wir beschließen trotzdem weiter zu fahren.
fr, 21:45
die schleuse ist zu, seit 20 uhr schon. wir entschließen uns, das boot im schilf zu verstecken und im hohen gras zu übernachten. also alles raus ausm boot, plane ausgebreitet, schlafsäcke hingelegt. jetzt kochen! bier auf! es gibt panierte schnitzel und noch etwas bier. der sternenhimmel ist großartig, leider geht der reißverschluss von romans schlafsack nicht zu, was in einer jammertirade endet! nächstes mal soll er n eigenen mitbringen…
sa, 6:35
ich wache auf, sehe wolken und beschließe roman zu wecken, bevor der regen anfängt. der fängt aber gott sei dank nicht an. kaffe und kippe, die schleuse hat noch zu. wir beschliessen, das boot zu beladen, hat irgendwie was von tetris. naja, erstmal n bier. und dann noch eins. endlich im wasser passieren wir die schleuse, hinterher toilettenpause.
sa 8:15
das bier ist alle. der wurzelpeter auch. wir beide sind besoffen, roman steht der sinn nach mehr: “ey wir trinken jetzt den glühwein kalt!” - “ne!” die stimmung wird schlechter. romans paddel ist kaputt, geht aber notdürftig zu reparieren. trotzdem streit, der körper verlangt nach alkohol, kann aber nicht befriedigt werden. bis zum streit haben wir uns ja super verstanden, sprücheklopfen wie immer. romans aussprüche bleiben mir ja alle für immer in erinnerung, so zum beispiel bei einer autofahrt im mai (roman fährt, schon 4 bier drin): “ey homer, ick fahr gradmal hundert, jetzt gib mir endlich n bier!” - ohne alkohol dreht er immer durch. kurze zeit später: “ey homer, ick halt schon seit nem kilometer die spur, jetzt gib mir endlich n bier!” aber auch die sprüche, mit denen kein alkohol eingefordert wird, sind super: “jetzt brat mir einer n storch! und die beine schön knusprig!” aber zurück zur tour, hier mein highlight der romansprüche: “kennste eenen, der n geschirrspüler günstig abzugeben hat? von miele, baujahr 2008?” ich lache mindestens ne halbe stunde und auch noch später immer wieder, wenn ich dran denke. trotzdem ist die stimmung auf dem tiefpunkt. das bier ist ja alle. um zu deeskalieren beschließe ich als kapitän, roman zum 2.offizier zu ernennen. es hilft nur eine weile. bei der paddeltour der katholischen jugend 1997 ist veronika mal bei einem streit aus dem boot gesprungen, weil rebecca sagte: “schade, daß du nich wegkannst, was?” ich versuche den trick, roman rührt sich aber nicht. wir erreichen bei einsetzendem regen endlich einen campingplatz mit kiosk.
sa, 11:30
6 bier und kartoffelpüree geholt. wir haben es uns unter so einer überdachten bank gemütlich gemacht, zusammen mit einem netten berliner pärchen (grüße an miriam und ruben!). wir versuchen, unseren alkoholisierungsgrad zu überspielen. beim boot ausladen fällt die aufgeweichte eierpackung ins boot, 3 eier schaden! mit dem rest gibts rührei, kartoffelbrei und röstzwiebeln. die 6 bier sind auch schon weg, der spirituskocher brennt aber noch, deshalb gibts glühwein um die wartezeit bis 15 uhr (da macht der kiosk wieder auf) zu überbrücken. mit 10 neuen bier beschliessen wir, noch ein stück zu fahren. wir freuen uns, dass wir so schön betrunken sind. wir kommen trotzdem gut voran, die stimmung ist wieder besser.
sa, 19:00
wir wollen eigentlich nur toilettenpause machen, der zeltplatzwart überrascht roman beim urinieren an einen busch. um ihn zu beschwichtigen bezahlen wir eine nacht und bleiben da. wir bauen das zelt auf und machen die stadt unsicher, in der kneipe kosten 2 doppelte wurzelpeter 12 euro. die bedienung ist nicht zu erheitern, auch nicht durch romans “früher oder später trinkt ein jeder wurzelpeter!” wir besuchen noch einen spielplatz und ein freibad mit sprungbrett und fallen in einen komatösen schlaf.
so, 9:00
am nächsten morgen bratstulle mit leberwurst und zwiebeln, kaffe, bier. miriam und ruben haben sich auch ein kajak gemietet, die freude ist groß, daß wir uns nochmal zufällig treffen. miriam: “da seid ihr ja nicht mehr weit gekommen, jungs!” wir fahren irgendwann los, der kassensturz bringt als ergebnis lächerliche 11 euro und wir trinken grad das letzte bier. und dann ist auch noch endspiel. wie soll das finanziert werden? das paddeln klappt aber gut, die stimmung verkatert aber durch die frühstücksbiere trotzdem heiter. eigentlich paddeln wir den ganzen tag, erzählen witze und rauchen ab und zu. gegen mittag legen wir an einem sehr gemütlichen campingplatz an, die platzwärtin steht bereits auf dem steg. wir erklären ihr behutsam, daß zwischen dem geforderten preis und unserem zahlungsmittelvorrat eine kleine differenz liegt. sie willigt ein, weil em ist.
so, 14:00
ich koche kartoffeln um bratkartoffeln zu machen, roman sammelt pilze. 1,5h lang. bis zu seiner rückkehr habe ich alle kartoffeln gepellt, geschnitten, die zwiebeln gehackt und den speck in streifen geschnitten. ‘wenn der jetzt ohne pilze wiederkommt!’ der mann der zeltplatzwärterin fragt mich mit holländischem akzent: “wo ist dein freund?” - “er hat gesagt, er sammelt pilze, aber ich denke, der pennt im wald!” endlich kommt roman wieder, natürlich ohne pilze. dafür mit blaubeeren, die gibt’s als nachtisch, zerkleinert mit honig. die bratkartoffeln passen nicht alle in die pfanne, deshalb haben wir ein langes mahl mit mehreren bratvorgängen. das bier ist ja eh weg, jetzt ist der letzte glühwein dran. wir fahren noch ne weile ohne gepäck mit dem boot und warten auf’s spiel. das lass ich mal aus! nach dem abpfiff gehen wir sofort schlafen, nachts besucht ein waschbär unseren müllbeutel.
mo, 9:00
frühstück und abbau. wir beschließen zu segeln. das kolibri IV hat eine masthalterung für eine besegelung. romans paddel wird zum mast, meine armeeplane zum segel. wir sind euphorisch, weil uns ein entspannter tag ohne paddeln bevorsteht. auf dem see dann die erkenntnis: zum segeln braucht man wind. flaute! mittagshitze. die stimmung wieder unten. ich stimme “something stupid” an, roman macht mit, er ist nicole kidman. weit und breit nur wasser! kein bier! der frauenmangel macht sich bemerkbar. wahrscheinlich durch die hitze scheint roman blonde lange haare zu haben. ich beschließe, ihn nicht darauf anzusprechen. endlich frischt der wind auf und wir kommen recht gut voran, zwar nur immer ein stück und zwischendrin muss ich immer wieder paddeln, weil romans paddel ja der mast ist, aber wenn wir dann mal wind haben, jubeln wir wie neunjährige. wenn wir keinen wind haben, schauen uns die entgegenkommenden paddler an, als ob wir aus ner anstalt entflohen wären. ‘mit dem segel kommen die bekloppten nicht weit’ kann man von ihren gesichtern ablesen. trotzdem winken sie nett, wahrscheinlich haben sie angst, sonst von uns angegriffen zu werden. trotzdem: wir haben des öfteren wind und um 15 uhr kommen wir in fürstenberg an. schön war es! wir beschließen, den tag mit 2 sixern im mauerpark ausklingen zu lassen und sind irgendwie ein ganzes stück glücklicher als vor der tour.
also wir versuchen es in diesem jahr nochmal zu schaffen, vorher wird bei ebay aber noch ne ordentliche besegelung geholt. jippie!

